Zum Abschluss habe ich mir nochmals 28 Kilometer vorgenommen. Wie es sich für den Epilog vom Epilog für meinen Weg passend ergab, hat es die erste Hälfte geregnet. Aber die Felsen von Muxía waren beeindruckend und der Weg dahin hat sich gelohnt.
Damit kommt auch mein Blog zum Abschluss. Jetzt sitze ich im Bus nach Santiago.
Trotz der vielen schönen Eindrücke und den vielen guten und internationalen Begegnungen auf den Wegen, die mit Recht heute den Titel „Friedensweg“ beanspruchen, beschäftigt mich die Gewaltgeschichte des Christentums sehr. Bewusst oder unbewusst wurde der Jakobsweg ein wesentlicher Baustein in der Reconcista, der Vertreibung des Islams aus Spanien. Jakobus war da gerade recht. Dabei hat es mit Jesus und den Märtyrern mit der Ertragung von Gewalt angefangen.
Und Kollateralschäden gab es in der Kirchengeschichte auch genug: z. B. mit der Zerstörung von Konstantinopel im IV. Kreuzzug. Mich hat beim Ankommen in Santiago eine Ukrainerin photographiert und ich sie. Sie hatte eine traditionelle ukrainische Bluse übergezogen und posierte mit der ukrainischen Fahne. Ob der Ukrainekrieg in gewissem Sinne noch eine Fortsetzung des alten Ost- Westkonfliktes ist. Auf jeden Fall hat sich das Christentum nach der konstantinischen Wende teilweise weit von seinem Ursprung weg bewegt. Wir leben weiterhin in einer Welt mit viel Gewalt.
Ca. 36 Kilometer gelaufen. Ein paar Höhenmeter kamen auch noch dazu.
Heute ging es bei schönstem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen weiter nach Westen. Nach Olveiroa, einer etwas größeren Siedlung auf dem Weg, waren erstaunlich viele Menschen auf dem Weg. Der Betrieb ist aber nicht vergleichbar mit dem auf dem Camino Frances. Eine abwechslungsreiche Strecke bei der das Meer am Ende zog. Vor Fisterre ist ein langer Sandstrand mit vielen Muscheln.
Impressionen am Weg – auch wenn Wasser zu sehen ist, es ist ein Stausee
Ca. 40 Kilometer gelaufen und dazu noch ca. 600 Höhenmeter Auf- und Abstieg.
Ein langer aber insgesamt abwechslungsreicher Tag. Bei angenehmen Temperaturen und leicht bedecktem Himmel lief es sich heute gut. In der ersten Tageshälfte überwogen die Waldpassagen; in der Zweiten die Feldwege und kleine Straßen.
Den Vormittag habe ich noch zur Stadtbesichtigung genutzt: schöne Altstadtgassen, Markthallen, Eisessen, Kaffeetrinken. Die Stadt wird immer voller und ist in Erwartung des Himmelfahrtsfestes (Volksfest).
aus dem Stadtpark
Dem Rummel bin ich ausgewichen und habe mich auf den Weg nach Westen gemacht. Gegen ein Uhr ging es los. Bis zum Atlantik sind es noch circa 90 Kilometer. Ich bin heute ca. 10 Kilometer gelaufen.
Heute Morgen habe ich es geschafft und bin in Santiago angekommen. Ich bin selber ein wenig irritiert, dass das passieren konnte. Bis jetzt kam jeden Tag die nächste Etappe nach Santiago und dann bin ich auf einmal da.
Zunächst waren noch ruhig in der Stadt, aber jetzt kommen jeden Moment neue Pilger auf dem Platz vor der Kathedrale an.
Ab Arzua, wo ich etwa um 9 Uhr durchkam, wurde der Weg voll. Ich fühlte mich wie beim Rennsteiglauf. Nur mit den Unterschiedlichen, dass hier die meisten Leute Rucksäcke auf dem Rücken haben; dass am Rennsteig (derzeit) keine Palmen in Vorgärten wachsen und dass die Anzahl der Verpflegungsstationen ungleich höher ist und viel mehr Bier ausgeschenkt wird. Dafür kommen hier nicht nur einmal im Jahr ein paar Tausend Leute hin, sondern jeden Tag.
Nach 14 Uhr hinter O Predouzo wurde es dann wieder deutlich ruhiger. Der Camino Frances hat doch sehr eigene Rhythmen.
Auch wenn es heute die meiste Zeit des Tages genieselt hat, so war das Wetter im Vergleich zu gestern fast schon als gut zu bezeichnen. Leider war ich nur für die Pausen auf Bars angewiesen. Der Weg war überwiegend schön geführt. In Melide bin ich dann auf den Camino Frances gestoßen bzw. umgekehrt. Denn der Camino Primitivo ist ja der ältere Weg. Aber von der Anzahl der Pilger natürlich doch der Hauptweg. Gut fünf Kilometer hinter Melide habe ich eine nette Herberge gefunden.
Wegen des schlechten Wetters habe ich mich für den Hauptweg entschieden und habe eine nette kleine öffentliche Herberge bei San Román da Retorta gefunden. Die Niederschlagsmenge ist derzeit ähnlich wie ich im letzten Jahr im französischen Baskenland hatte. Aber das meiste fällt ja vorbei. Der Norden Spaniens hat auf jeden Fall genug Regen.
350 Jahre alte Kastanie in der Nähe der Kapelle San Salvator de Soutomerille
Ca. 23 km gelaufen.
Von Castroverde nach Lugo ging es viel durch Wald und Feld. Nur das Wetter regte nicht so richtig zum Wandern an:Es war weiterhin deutlich unter 10 Grad und schauerte immer wieder.
Lugo ist eine Stadt, deren schöne Altstadt von einer durchgängig begehbaren Stadtmauer umgeben ist. Diese ist im Kern römischen Ursprung. Hier, 100 Kilometer vor Santiago, werde ich nochmals einen Tag pausieren.
bei den Resten des Real Hospital de Montouto auf 1025 m Höhe
Ca. 28 Kilometer gelaufen; ca. 800 Höhenmeter hoch und 1160 m bergab.
Heute war nicht nur der Weg eine Berg- und Talfahrt, sondern auch das Wetter. Im Aufstieg zum höchsten Punkt des Tages hatte ich heute Morgen Schneeregenschauer. Oben war dann Nebel mit Nieselregen. Einige Zeit später – wieder unter der Wolkendecke – wurde es dann freundlicher und kurze Zeit kurze Zeit später kam auch mal die Sonne durch. Nachmittags dann wieder Regenschauer. Die Temperaturen blieben die ganze Zeit im einstelligen Bereich. Ansonsten lief es sich trotz eingeschränkter Pausenmöglichkeiten gut.
Ca. 28 Kilometer gelaufen und etwa 1.000 Höhenmeter im Aufstieg (etwas weniger im Abstieg).
Bei mäßigem Wetter ging es heute über die asturisch-galicischen Grenze, die sich auf ca. 1100 Meter Höhe befand. Leider regnete und wehte es bei um die 7 Grad C. heftig. Das Laufen war nicht so gemütlich. Eine Pause gab es mit einem verspäteten Frühstück und dann erst mittags in A Fonsagrada. Trotzdem bin ich gut vorwärts gekommen und es ist mir nicht schwer gefallen durchzugehen. Daher bin ich noch bis hinter Fonsagrada in eine ruhige abgelegene Herberge gelaufen. Jetzt sind es nur noch ca. 150 Kilometer bis Santiago.
Von über 1000 Meter Höhe ging es heute hinunter zum Stausee von Grandas auf ca. 200 Meter Höhe. Beeindruckend war heute Morgen über einem Nebelmeer zu sein, in das ich dann hinab stieg. Bisher kannte ich solche Phänomene fast nur aus dem Hochgebirgen. Als ich dann bei der Staumauer war, hatte sich der Nebel aufgelöst. So gab es im Aufstieg zum Ort mit kommunaler Pilgerherberge schöne Blicke auf den fjordähnlichen See.
Ca. 26 Kilometer gelaufen; 1000 Höhenmeter im Aufstieg und 720 m im Abstieg.
Die Ruta de los Hospitales zieht sich über kahle Höhenzüge und ist Wind und Wetter sehr ausgesetzt. Der Weg heißt so, weil in früheren Jahrhunderten auf diesem Wegstück vier Pilgerhospize waren. Ein sehr schöner Weg mit fast beständig grandiosen Aussichten. Ich hatte heute Glück mit dem Wetter. Die Sicht war gut, nur entferntere höhere Bergzüge waren in Wolken. Nur der Wind war frisch. – Sicherlich einer der schönsten Abschnitte des Camino Primitivo.
Bei kräftigem Regen war der Camino heute eher ungemütlich. Es gab zwar überwiegend schöne Wegpassagen und oft auch aussichtsreiche Stücke. Dies konnte ich jedoch nur eingeschränkt genießen, da der kalte Regen etwas zermürbend war. Mit Blick auf die Wettervorhersage hatte ich mir aber schon den kurzen Tag ausgesucht. Einen Abstecher zu einer alten teilweise zerfallenen Klosteranlage „Obona“ habe ich mir trotzdem gegönnt. Nett ist es dann mit anderen Pilgern in einer Bar anzukommen und sich dort aufzuwärmen. Heute Abend bin ich wieder in einer kleinen Herberge, in der es auch gemeinsames Abendessen gibt.
Da der Wetterbericht mäßig war und ich die „Ruta de los Hospitales“, eine lange Etappe über einen Höhenzug, bei halbwegs sicherem Wetter gehen möchte, habe ich mich zu zwei Kurzetappen entschlossen. Daher bin ich heute nur in die Kleinstadt Tineo gelaufen und verbringe einen ruhigen Nachmittag in der Pilgerherberge am Plaza. Wieder Erwarten war es heute noch recht lange trocken. So konnte ich mir auch noch trocken das Städtchen anschauen.
Inzwischen bin ich richtig im ländlichen Raum angekommen. Der Weg führte mich nur durch eine größere Siedlung: Die Kleinstadt Salas. Der überwiegende Teil ging über ungefestigte Wege und war angenehm zu laufen. Die Zivilisation war jedoch durch eine neue Autobahn, die im Grunde parallel lief, immer präsent.
Auf dem Camino ist weiterhin viel los. Das Wetter war besser als ich nach der Vorhersage erwartet hatte; es hat nur mal ein wenig genieselt. Wieder bin ich in einer kleinen Herberge gelandet, die aber mit verschiedenen internationalen Gästen belegt ist.
Der Camino Primitivo ist der älteste dokumentierte Pilgerweg nach Santiago (9. Jahrhundert), daher auch der Name: der Erste. Mit dem Start auf diesem Weg in Oviedo war ich auf die Veränderungen gespannt: Es waren tatsächlich eine ganze Menge Leute unterwegs. Fast alle starteten in Oviedo. Sehr international: Ich habe mit Menschen aus Spanien, aus Polen, aus Tschechien, aus Finnland, aus England, aus Frankreich, aus Deutschland und aus Malaysia gesprochen. Der Weg ist von der Wegbeschaffenheit und dem Profil abwechslungsreicher als der Camino del Norte. Aber auch hier gibt es Asphaltpassagen und Autobahnquerungen.
Ausgeruht und bei gutem Wetter habe ich heute ein paar Kilometer geschrubbt. Da der Wetterbericht für die nächsten Tage schlecht ist, kann ich dann gelassener kürzer treten. Trotz der vielen Leute habe ich heute Abend eine Unterkunft für mich alleine. Ein sehr alternatives Haus.